Zwischenräume

Kürzlich besuchte ich einen Anatomiekurs im Rahmen einer Weiterbildung. Dort hatte ich ein Aha-Erlebnis. Nicht das Skelett, die Muskeln, die Organe und das Nervensystem – wenn auch sehr spannend – haben mich ins Staunen gebracht, sondern der Begriff „Zwischenraum“ und der Schlüsselsatz „Zwischenräume sind lebenswichtig“. Es ist tatsächlich so, dass ohne Zwischenräume im Körper, Leben nicht stattfinden könnte. Es gäbe keine Zirkulation, keine Bewegung im Körper. Nur die Zwischenräume ermöglichen es, dass sich zum Beispiel ein Gelenk bewegen kann, ein Muskel sich zusammenziehen kann, dass Nahrung, Sauerstoff, Hormone und Wärme durch den Körper transportiert werden können.

Innerhalb des menschlichen Körpers sind die Zwischenräume lebenswichtig, aber ist es nicht auch ausserhalb des Körpers so? Zum Beispiel zwischen den Menschen? Ohne Zwischenraum könnte keine Beziehung stattfinden. Ohne Zwischenraum könnte ich mich nicht von einem Ort zum anderen bewegen, ohne Zwischenraum könnte ein Baum nicht in den Himmel wachsen. Der Raum, der alles umgibt, ist lebenswichtig. Der Raum, der unsere Erde umfasst, ist lebenswichtig.

Und wie sieht es aus mit den Zwischenräumen in unserem Alltag, mit den Momenten, wo wir nichts müssen, nichts sollen, wo wir ausspannen und entspannen können? Sie ermöglichen uns, das Erlebte zu integrieren, zu verdauen, zu vertiefen. Sie ermöglichen es, dass aus dem „Nichts“, aus dem „Zwischenraum“ eben, neue Gedanken und Ideen entstehen, neue Lebensimpulse. Sie ermöglichen es uns, uns mit uns selbst zu verbinden, den tieferen Schichten und Ebenen unseres Seins zu begegnen. Mir kommen die besten Ideen und Lösungen meist, wenn ich mich innerlich ganz frei und offen fühle und nichts „muss“.

Zwischenräume sind lebenswichtig, damit Lebensfluss, Bewegung, Atmung, Zirkulation stattfinden kann. Unser Körper ist gesünder, geschmeidiger, schmerzfreier, wenn die Zwischenräume intakt sind. Dann ist er beweglich und alle Stoffe, die der Körper braucht, um gesund zu bleiben, können dorthin transportiert werden, wo der Körper sie braucht.

Fragen, die wir uns stellen können: Wie ergeht es mir mit den Zwischenräumen? Gibt es in meinem Alltag genügend davon? Kann ich spüren, wie mein Körper voller wertvoller „Zwischenräume“ und innerer Bewegung ist? Ich lade Sie ein, darauf zu achten, in Ihre Zwischenräume hineinzuspüren und sich vom Zwischenraum inspirieren zu lassen. Wenn Sie ein sehr sensitiver Mensch sind, kann es sein, dass Zwischenräume für Sie ganz besonders wichtig sind zum (ein)ordnen und integrieren dessen, was Sie mit all Ihren Sinnen wahr- und aufgenommen haben

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